Positivismus und Optimismus in der Corona-Krise

March 25, 2020

Täglich werden wir mit neuen Bad News zur Corona-Krise konfrontiert. Verschiedenste Parteien und Verbände äussern ihre Unzufriedenheit. Die Jungfreisinnigen Thurgau haben ebenfalls ihre Bedenken hinsichtlich der enormen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und gesundheitlichen Auswirkungen der Krise. In diesen Zeiten gilt es jedoch auch möglichst positiv zu denken und aus der Krise zu lernen. Dies wird unseres Erachtens nach zu wenig getan. Aus strategischer Sicht der Parteien verständlich, denn mit gegenseitigen Anfeindungen und oberflächlichen Parolen erzielt man schnell grosse Aufmerksamkeit. Sachpolitisch ist dies jedoch mehr als fragwürdig. Als Jungpartei wollen wir uns dem entgegenstellen und drei Aspekte der Krise beleuchten, die uns positiv stimmen sollten.

 

Werte und Freiheit

Die Krise lässt uns das hohe Mass an persönlicher Freiheit in der Schweiz wieder vermehrt schätzen. Da viele unserer selbstverständlichen Freiheitsrechte massiv eingeschränkt wurden, sehen wir wieder besser, was ein Staat, der dem Bürger hohe individuelle Freiheiten gewährt, für Vorteile und Privilegien mit sich bringt. Wir alle mussten in den vergangenen Wochen unsere Bewegungsfreiheit stark einschränken und mussten auf den persönlichen Kontakt mit unseren Freunden verzichten. Viele Einzelunternehmer und KMU mussten ihre Tore schliessen, weil die Wirtschaftsfreiheit eingeschränkt werden musste. Infolgedessen bangen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um ihren Job. Der Wert der persönlichen Freiheit und der Freiheitsrechte wird daher in den kommenden politischen Diskursen wieder vermehrt an Gewicht gewinnen, denn nun haben wir hautnah miterlebt, was es bedeutet, wenn diese beschnitten werden. Und auch die Schweizer Werte werden in dieser Krise wieder vermehrt gelebt. Zu Beginn des Lockdowns strömte eine Welle der Solidarität durch unser Land. In Vereinen, Nachbarschaftshilfen und auf Gemeinden wurden Hilfsangebote für Menschen aus den Risikogruppen angeboten, oftmals auf freiwilliger und ehrenamtlicher Basis.

 

Eigenverantwortung und Selbstbestimmung

Anders als in Ländern wie Spanien oder Frankreich kommt die Schweiz wohl ohne das Verhängen einer Ausgangssperre durch die Krise. Dies ist sicher der eigenverantwortlichen Disziplin der Schweizer Bevölkerung zuzuschreiben und bestätigt uns, dass wir Schweizerinnen und Schweizer durchaus in der Lage sind selbstbestimmt zu handeln und dabei unsere gesellschaftliche und soziale Verantwortung im Auge zu behalten. Auch wenn dieser Aspekt im öffentlichen Diskurs oftmals nicht so dargestellt wird und teilweise gar ein gewisses Denunziantentum aufkommt, gilt es zu betonen, dass sich eine überwältigende Mehrheit der Schweizer Bevölkerung äusserst verantwortungsvoll verhält. Auch auf der wirtschaftlichen Seite sehen wir, dass sich beispielsweise viele Restaurant eigenverantwortlich auf die Krise reagierten und auf innovative und eigenverantwortliche Art und Weise ihr Angebot in kürzester Zeit über Take-Aways oder Lieferdienste umgestellt haben. Auf der anderen Seite sehen wir, dass Staatsbetriebe wie die Post oder das Schweizer Fernsehen grössere Probleme damit haben die geänderte Situation zu handhaben. Dies zeigt wieder einmal schön auf, dass nur eine freie Wirtschaft eine florierenden, innovative und starke Wirtschaft sein kann. Hinsichtlich der Eigenverantwortung, die in der Vergangenheit sowohl von linker als auch von rechter Seite teilweise eingeschränkt werden wollte, sehen wir also ebenfalls, dass diese ausgezeichnet gelebt wird und keine Änderungen von Nöten sind.

 

Digitalisierung

Einen grossen Schub erhoffen wir uns im Bereich der Digitalisierung. Wir sehen in vielen Bereichen und Branchen, dass Home-Office durchaus praktikabel geworden ist. Entwicklungen, die in normalen Verhältnissen wohl über ein Jahrzehnt gedauert hätten, wurden in einem Monat gemacht. Auch Meetings können grösstenteils auf Onlinekanälen stattfinden und finden oftmals auf einer effizienteren Basis statt. Hier ist natürlich auch zu betonen, dass wir den persönlichen Kontakt nach wie vor nicht missen wollen. Aber die Chancen, die sich in der Wirtschaft hinsichtlich einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten und des Arbeitsortes aufgetan haben, sind sicherlich zu nutzen. Diese beschleunigte Entwicklung hat ebenso für den Umweltschutz positive Effekte. So wird in Zukunft vermutlich vermehrt auf Geschäftsreisen mit dem Flugzeug verzichtet werden, da es sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Vorteile mit sich bringt. Auch in der öffentlichen Verwaltung sehen wir grosses Chancenpotential. So erhoffen wir uns, dass in Zukunft weitere Verwaltungsprozesse online durch die Bürgerinnen und Bürger abgewickelt werden können. Denn gerade die öffentliche Verwaltung sollte ein Bereich sein, deren Angebote nicht aufgrund einer Krise eingeschränkt werden sollten.

Dario Zimmermann, Vorstand Ressort Politik

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